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Brief an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages

Morgen, am 6. November 2015, stimmen Sie über den neuen § 217 StGB ab.
Es ist eine sehr schwerwiegende und folgenreiche Gewissensentscheidung vor der Sie stehen – eine der ethisch weitreichendsten Gesetzgebungen, denn es geht hier um Grundfragen von Leben und Tod. Wer soll straffrei „Sterbebeihilfe“ leisten dürfen?

In kurzer Zeit haben bereits über 11.000 Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Namen eine Petition* unterzeichnet, um Sie zu bitten, keine offene staatliche Legalisierung von Tötungsbeihilfe zuzulassen. Verlässliche, uneingeschränkte Hilfe und sicheren Schutz für depressiv oder somatisch Kranke und Leidende muss vom Staat gerade dann garantiert werden, wenn diese selbst ihr Leben am liebsten sofort beenden wollen.

Es gibt viele offene Probleme, die sich stellen, wenn jetzt der Gesetzgeber aktive Suizidunterstützung grundsätzlich als straffrei ausdrücklich befürworten sollte:

  • Wie „selbstbestimmt“ ist ein final erkrankter oder suizidgefährdeter Patient?
  • Wie ist es mit schwerkranken Suizidwilligen, die nicht mehr selbständig ein tödliches Mittel nehmen können oder nicht einmal das Rädchen an der Infusion aufdrehen können? Diese könnten wegen Diskriminierung klagen und damit zukünftig sogar Tötung auf Verlangen erreichen.
    Ärzte dürften künftig auch, je nach persönlicher Einstellung, töten dürfen!
  • Wer stellt sicher, dass Angehörige oder Nahestehende bei ihrer Suizidassistenz stets von altruistischen Beweggründen geleitet sind?
  • Können die vulnerablen Menschen vor Nötigung geschützt werden? Woher weiß der den Totenschein ausstellende Arzt am Bett der toten Mutter, dass diese wirklich freiwillig und zu 100 Prozent selbstbestimmt das tödliche Mittel trank? Wie wird bei möglichen psychischen oder sozialen Abhängigkeitsverhältnissen „Selbstbestimmung“ dann noch prüfbar?
  • Wird es künftig einen Rechtfertigungsdruck geben, wenn ein final Erkrankter sich nicht töten will, sondern bis zum natürlichen Tod, u.U. sehr kostenintensiv und belastend, weiterhin gepflegt werden möchte?
  • Haben wir in Deutschland für die Ängste vor Krankheit und Leiden und für Verzweifelte keine bessere Antwort, als Beihilfe zur Tötung zu legalisieren?
  • Müsste nicht erst einmal in den nächsten Jahre der Ausbau der Palliativmedizin und Hospize erfolgen und Aufklärung über die Möglichkeiten dieser Medizin als Signal gegeben werden, dass niemand mehr aus Angst oder Verzweiflung sich töten (lassen) muss?

Der britische Premierminister David Cameron begründete seine Entscheidung für ein Verbot von assistiertem Suizid am 11.9.2015 mit dem Satz: „Im Zweifel muss der Staat die vulnerablen Bürger schützen“. So wie in vielen anderen europäischen Länder auch.

Wenn auch Sie Zweifel haben, wie Sie Suizidgefährdete besser schützen können, dann wählen Sie bitte den sichersten Gesetzentwurf. Stimmen Sie bitte für das grundsätzliche Verbot aktiver Suizidbeihilfe. Verhindern Sie, dass künftig „privat“ oder „ärztlich“ lebensfähige, aber suizidwillige Menschen getötet und damit noch mehr Suizide ermöglicht werden. Suizidbeihilfe darf nicht staatlicherseits „normalisiert“ werden. Das erhöht zusätzlich, wie in anderen Ländern bereits signifikant zu beobachten, die Suizidquote. Jeder 25. Tote stirbt bereits in den Niederlanden durch Suizidbeihilfe.

Helfen Sie mit, dass mit moderner Palliativmedizin, Hospizvereinen und Hospizen Menschen auf dem letzten Weg immer begleitet und ihnen Schmerzen und Ängste bis zuletzt genommen werden, nicht aber durch aktive Suizidassistenz ihr Leben.

Schützen Sie durch Ihre Entscheidung gerade die vulnerablen Menschen, die zutiefst darauf angewiesen sind, dass ihr Umfeld und die Gesellschaft ihr Leben nicht als unzumutbare Last empfindet und dies durch praktische Suizidunterstützung zu beenden „hilft“.

Mit einem großen Dank, dass Sie sich die Zeit nahmen, diese Zeilen zu lesen!

Beste Grüße

Christiane Lambrecht
Sprecherin der Initiative „Keine Lizenz zum Töten“

www.keine-lizenz-zum-toeten.de

*) Die Unterschriftslisten der Petition können auf Anfrage eingesehen werden.

Link zum kurzen Videoclip

P.S. Hinweisen möchte ich Sie noch auf den gestern in der FAZ erschienenen Artikel „Lasst die Finger davon“ von Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann, FernUniversität Hagen

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