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Risiken der indirekten Sterbehilfe

Prof. Dr. Axel W. Bauer zur Problematik der indirekten Sterbehilfe:

Der entscheidende Knackpunkt für die Ärzte ist die sogenannte „indirekte Sterbehilfe“, also die „palliative“ oder „terminale“ Sedierung, bei der es (angeblich ungewollt) zu einer Lebensverkürzung kommen könnte, was selten ist, wenn man nicht überdosiert. Die indirekte Sterbehilfe gilt als legal. Brand & Co. haben nun die Sorge, dass bei einer lückenlosen Strafbarkeit des assistierten Suizids auch Fälle von indirekter Sterbehilfe zur Strafverfolgung kommen könnten. Denn zwischen beiden Formen gibt es fließende Übergänge. Mir persönlich ist die indirekte Sterbehilfe ohnehin ein Dorn im Auge, weil da vieles drunter läuft, was zwischen Tötung auf/ohne Verlangen schillert.

Beispiel: Der ambulante Palliativmediziner kommt am Freitag ins Haus, bringt das notwendige Morphin für den Patienten mit und sagt: „Ich bin bis Mittwoch im Kurzurlaub, daher ist hier Ihr Medikamentenvorrat für 5 Tage. Nehmen Sie immer nur die Tagesdosis und keinesfalls mehr! Sonst kann ich für nichts garantieren.“ Am Mittwoch kommt der Arzt aus dem Urlaub zurück und erfährt, dass der Patient am Samstag nach Einnahme von 5 Tagesdosen – gegen den (offiziellen) ärztlichen Rat – verstorben ist.

War das nun Beihilfe zur Selbsttötung? Der Arzt hatte ja offiziell abgeraten, mehr als eine Tagesdosis zu nehmen. Aber er hat dem Patienten die Gelegenheit dazu verschafft, sich umzubringen, und insoweit objektiv Hilfe zur Selbsttötung geleistet. Solche Szenarien ängstigen Brand & Co wegen der fehlenden Rechtssicherheit für den Arzt angesichts der ihm unter Sensburg drohenden Strafverfolgung.

Wir fürchten diese Szenarien wegen des fehlenden Lebensschutzes.

Posted in Keine Lizenz zum Töten.