Lebensmüdigkeit zunehmend Motiv für Sterbehilfe in den Niederlanden und in Belgien

Ein Bericht in „Deutsches Ärzteblatt“ am 10. August 2015 berichtet über Motive, aus denen Patienten Ärzte um Sterbehilfe bitten.

Die Niederlande und Belgien haben seit 2002 die weltweit liberalsten gesetzlichen Regelungen zu Sterbehilfe und Euthanasie. In den Niederlanden dürfen Ärzte ihren Patienten eine tödliche Medikation anbieten oder sie sogar verabreichen, wenn sie den Wunsch des Patienten als selbstbestimmt und wohl durchdacht, sein Leiden als unerträglich und ohne Hoffnung auf Verbesserung einstufen.
Die Sterbehilfe ist erlaubt, wenn Patienten ausführlich informiert wurden, und es keine vernünftige Alternative gibt. Die niederländischen Ärzte müssen sich dann noch mit einem Kollegen absprechen, bevor sie dem Patienten ein tödliches Mittel verschreiben oder es sogar selbst verabreichen. Der Anteil der Sterbehilfe/Euthanasie an allen Todesfällen liegt nach einer Umfrage bei 1,7 bis 2,8 Prozent.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Ärzte allen Gesuchen nachgeben. Für die abgewiesenen Patienten hat die Nederlandse Vereniging voor een Vrijwillig Levenseinde (dt.: „Niederländische Vereinigung für ein freiwiliges Lebensende“, Anmerkung des Bearbeiters) im März 2012 eine Levenseindekliniek (Dt.: „Lebensendeklinik“) gegründet. Hier erhalten von Ärzten abgewiesene Patienten eine „zweite Meinung“. Auf Antrag schickt die Klinik ein mobiles Team mit Schwester/Pfleger und Arzt/Ärztin zu den Patienten. Das Zweierteam prüft dann die Krankenakten und interviewt den Kranken. Die niederländische Ärztevereinigung KNMG lehnt die Lebensendeklinik ab, weil sie den falschen Eindruck vermittele, dass Euthanasie und Sterbehilfe ein Patientenrecht sei.
Im ersten Jahr seit der Gründung hat die Lebensendeklinik 709 Anträge erhalten. Marianne Snijdewind vom Akademischen Medizinischen Zentrum Amsterdam konnte 645 Anträge und das weitere Schicksal der Patienten recherchieren: Danach wurden 300 (46,5 Prozent) der Anträge abgelehnt, weitere 124 Patienten (19,2 Prozent) starben, bevor der Antrag beurteilt werden konnte. Weitere 59 Patienten (9,1 Prozent) zogen ihre Anträge zurück.

Dramatisch ist dabei wohl auch dieser Aspekt:

Auch bei „Lebensmüdigkeit“ wurde dem Wunsch nach Sterbehilfe stattgegeben

162 Anträgen (25,1 Prozent) hat die Klinik jedoch stattgegeben: In 92 Fällen wurde Sterbehilfe/Euthanasie in der Klinik durchgeführt, in 47 Fällen (29,0 Prozent) erklärte sich der Hausarzt dazu bereit, der bei weiteren 23 Patienten (14,2 Prozent) zum Zeitpunkt der Studie diese auch durchgeführt hatte.

Es geht allerdings auch um die Frage nach dem Umgang mit psychischen Erkrankungen:

Aber auch bei sechs von 121 Patienten (5,0 Prozent), die rein psychologische Leiden hatten, sowie bei 11 von 40 Patienten (27,5 Prozent), die über „Lebensmüdigkeit“ klagten, stimmte das mobile Team dem Wunsch nach einem vorzeitigen Lebensende zu.

Damit zeigt sich, wie die Regelung in den Niederlanden und in Belgien die Dammbruch („slippery slope“) auslöst. In immer mehr Fällen entscheiden sich Patienten in Depressionen dazu, die staatlich erlaubte Sterbehilfe anzunehmen. Ob in einem solchen Fall tatsächlich ein Todeswunsch vorliegt, darf bezweifelt werden. Depressive Menschen wollen ihre Leiden beenden, nicht jedoch ihr Leben.

Wie der Artikel zeigt, spielt auch das soziale Umfeld der Patienten eine Rolle. In 23,4 % der genannten Fälle spielte der Wunsch der Familie bei der Sterbehilfe eine Rolle.

Es ist wohl nicht zu bestreiten, daß ein ähnlicher Dammbruch auch für Deutschland zu befürchten ist, wenn der asisstierte Suizid nicht verboten wird.

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