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Nächstenliebe statt „lebensunwertes Leben“

Warum Beihilfe zur Selbsttötung verboten sein muss

Argumente für ein vollständiges Verbot der Beihilfe zur Selbsttötung

Die Grundlagen der Diskussion in der Gesellschaft

Wie die Geburt  entzieht sich der Tod unserer Beherrschbarkeit.
Ein Sterben nach schmerzhafter Krankheit wird gefürchtet.
Ein früher oder plötzlicher Tod wird als unangemessen empfunden.
Eine Selbsttötung ist schockierend für die Umgebung.

Für diese Notlagen versprechen „Sterbehilfe“-Befürworter eine Lösung: „Assistierten Suizid“

Zum selbstbestimmten Zeitpunkt,
vor unerträglicher Leidenszeit,
mit informierten Angehörigen,
durch ärztlichen oder sonstigen Beistand sicher aus dem Leben gehen zu können, soll eine neue Etappe humanen Fortschritts bedeuten.

Durch die Debatte der letzten Jahre ist aus der Tabuzone ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt worden:

Suizid ist per se nicht strafbar.
Beihilfe war es bisher (in Deutschland) auch nicht.
Beihilfe zum Suizid wird bereits praktiziert, von Organisationen und Einzelpersonen.
Darum muss dieser Bereich gesetzlich geregelt werden.

Vor dieser Entscheidung stehen wir nun.
Im November 2015 wird der Deutsche Bundestag über ein solches Gesetz entscheiden.
Die Fraktionen haben keine eigenen Gesetzentwürfe eingebracht. Gruppen von Abgeordneten haben fraktionsübergreifend unterschiedliche Entwürfe erarbeitet.

Folgende Gesetzentwürfe stehen zur Wahl:

Entwurf eines Gesetzes über die Straffreiheit der Hilfe zur Selbsttötung

Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der ärztlich begleiteten Lebensbeendigung

Entwurf eines Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung

Entwurf eines Gesetzes über die Strafbarkeit der Teilnahme an der Selbsttötung

Der Bundesverband Lebensrecht (BVL) stellt Argumente vor, warum nur ein vollständiges Verbot der Beihilfe zur Selbsttötung zur nötigen Rechtssicherheit für alle Bürger führt.

Die Problematik der Hauptargumente

Martin Lohmann BvL - Vorsitzender

Martin Lohmann
BvL – Vorsitzender

Wenn die Beteiligung an einem Suizid grundsätzlich straffrei gestellt wird,
dann haben  wir das Maximum  an Entsolidarisierung mit Suizidgefährdeten erreicht.

Wenn nur die Werbung eingeschränkt, ansonsten aber „Sterbehilfe“-Organisationen freie Hand haben,
dann entwickelt sich der „Markt“ kräftig weiter.

Wenn nur gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Organisationen zugelassen werden,
dann erliegt man der Illusion, dass man den „Geschäftemachern mit dem Tod“ das Handwerk gelegt habe.

Wenn die ärztliche Mitwirkung bei der Selbsttötung als Mittel der Wahl „in seltenen Einzelfällen“ erlaubt wird,
dann wird der ärztliche Auftrag ins Gegenteil verkehrt.

Wenn Angehörige und nahe stehende Personen ebenfalls zu Tötungsassistenten werden,
dann sind gefährliche, nicht nachprüfbare Entscheidungen vorprogrammiert.

Wenn man glaubt, er werden nur todkranke Einzelfälle von der Suizidmöglichkeit Gebrauch machen,
dann verleugnet man die Erfahrungen aus Nachbarländern.

Wenn die Vernichtung des Suizidwilligen als Akt der Selbstbestimmung verherrlicht wird,
dann unterstützt man in Wahrheit das Lebensunwert-Urteil eines Verzweifelten.

Wenn die Beihilfe zum Suizid ermöglicht wird,
dann wird die in Wirklichkeit nur minimal andere Tötung auf Verlangen mit kurzem Abstand folgen – schon wegen Diskriminierung von Gelähmten oder zur Vollendung eines misslingenden Suizids.

Wenn die maximale Gewaltanwendung (Mitwirkung beim Töten) in die einzelne Gewissensentscheidung verlagert wird,
dann kapituliert der Rechtsstaat.

Darum:

Nur ein einfaches, strafbewehrtes Verbot der Mitwirkung bei der Selbsttötung schützt vor einzelnen Angehörigen, nahe stehenden Personen, Ärzten und Pflegekräften und organisierten Sterbehelfern!

+

Die humane Antwort auf berechtigte Sorgen kann niemals das tödliche Medikament sein, sondern der maximale Ausbau von Suizidprävention, Palliativmedizin und mitmenschlicher Begleitung!

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Nächstenliebe statt „lebensunwertes Leben“

Einzelaspekte:

Menschenwürde
Menschenwürde kann uns niemand nehmen – auch nicht wir selbst
Menschenwürde steht dem Menschen allein durch seine Existenz zu. Aus dieser Würde leitet sich die Schutzverpflichtung für das menschliche Leben ab. Da wir das Menschsein niemals verlieren, können uns auch keine Umstände die Würde unseres Lebens nehmen. Dies schließt ein: Wir dürfen auch anderen zur Last fallen.

Selbstbestimmung
Grenzenlose Selbstbestimmung verkennt die Bedingungen unserer Autonomie
Unsere Zeugung, das Auftreten mancher Erkrankung, ein Komazustand, schließlich der Tod entziehen sich unserem Wunsch nach eigener Entscheidungshoheit. „Mein Ende gehört mir“ ist eine  Parole jenseits aller Lebenswirklichkeit.

Tötungshemmung
Niemand darf von seinen Mitmenschen Hilfe bei der Selbsttötung erwarten
Das Verbot, einen anderen Menschen zu töten oder bei der Tötung mitzuwirken ist grundlegend für eine humane Gesellschaft. Niemand darf erwarten, dass dieses Prinzip aufgegeben wird, um seinen Todeswunsch zu erfüllen. Dies gilt auch, wenn der „Helfer“ meint, dies zeitweise mit seinem Gewissen vereinbaren zu können

Lebensrettung
Lebensrettung muss Pflicht bleiben – immer
Der Menschenwürde folgt die Schutzwürdigkeit jedes menschlichen Lebens. Dieser Schutz muss auch für die jährlich ca. 100.000 lebensmüden Menschen in Deutschland gelten. (Ca. 10.000 Suizide werden erfolgreich ausgeführt)
Einer Gesellschaft, der diese Pflicht verloren geht, gibt die Verantwortung und Fürsorge füreinander auf, Suizidprävention wird ad absurdum geführt.

Rolle des Arztes
Ärzte müssen am Tötungsverbot festhalten
Aber über 30% sind angeblich bei Sanktionsfreiheit zu Tötungshandlungen bereit.
Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient wird nachhaltig gestört und durch Misstrauen ersetzt.

Solidarische Gesellschaft
Aus der Möglichkeit kann eine Pflicht werden
Laut Umfrage haben über 50% der Menschen Angst, den Angehörigen in einem langen Sterbeprozess zur Last zu fallen. Wird die Selbsttötung zur normalen Option, so wird aus der Möglichkeit eine gefühlte Verpflichtung gegenüber Angehörigen und einer Gesellschaft in Finanz- und Personalnöten werden. Suizidbeihilfe ist eine zynische Teilantwort auf die demografische Krise.

Gesetze in Europa
Ein vollständiges Verbot ist möglich
Während in Deutschland häufig vorgetragen wird, die Beihilfe zu einer nicht strafbewehrten Haupttat (Suizid) könne auch nicht bestraft werden, zeigen zahlreiche europäischen Staaten, u.a. England, Finnland, Österreich, Portugal, dass dies selbstverständlich möglich ist.

Erfahrungen in Nachbarländern
Beihilfe zur Selbsttötung ist das Einfallstor für Euthanasie
Aus einigen Nachbarländern wissen wir, dass Beihilfe zur Selbsttötung auf Euthanasie hinaus-laufen wird. Wenn ein Arzt die tödlichen Medikamente bereitstellen soll, wird niemand verstehen, warum er Sie nicht auch verabreichen darf, dies wäre eine Diskriminierung von  Bewegungsunfähigen. Die Zahl der „freiverantwortlichen“ Sterbewilligen steigt überall rasant an, auch wenn die Sterbestatistik einen „natürlichen Tod“ bescheinigt (laut Totenschein in den Niederlanden)

Erfahrungen mit Todeswilligen
Es sterben nicht die Vorgesehenen
Nach den Erfahrungen auch in Deutschland sind es nicht die wenigen alten Schmerzpatienten, die sterben wollen, sondern weit überwiegend jüngere, psychisch Kranke, die Angst vor der weiteren Krankheitsentwicklung haben und bei entsprechender Behandlung weiterleben können.

Suizidforschung
Menschen, die den Lebensmut verloren haben, wollen ihr Leid beenden, nicht ihr Leben
Menschen die sich umbringen wollen, brauchen unsere Hilfe um weiterleben zu können. Suizide geschehen zu 90% aufgrund von Depressionen, die behandelt werden können. Der Suizidhelfer verhilft dem Lebensmüden nicht zur ersehnten Linderung und Heilung, sondern zerstört vorschnell die Grundlage seiner Autonomie, das Leben selbst.

Euthanasie
Wer definiert unwertes Leben?
Wer das grundsätzliche Verbot aufgibt und ein Teilverbot will, muss zwingend Kriterien finden, um die gesellschaftlich genehmigten und die
ungewollten Suizide unterscheiden zu können –
was im Sinne einer konsequent angewandten Selbstbestimmung unmöglich ist.
Es fällt eine Schranke nach der anderen: Altersbeschränkungen, Krankheitsbilder, unumkehrbarer Verlauf, Ausschluss psychischer Krankheiten, Demenz. So sterben bereits behinderte neugeborene Kinder oder langjährig Inhaftierte.

Missbrauch
Erlaubte Beihilfe zur Selbsttötung öffnet dem Missbrauch Tür und Tor
Die legale Beihilfe zum Suizid wird zu ungeahnten Möglichkeiten für die Vertuschung von Mord und häuslicher Gewalt führen. Angehörige und Nahe-stehende sind nicht frei von Eigeninteressen  – dazu gehört nicht nur das Erben, sondern vor allem das „Nicht-mehr-mit-ansehen-können“.
Selbst bei der „legalen“ Anwendung in den Benelux-ländern sterben immer mehr nichteinwilligungsfähige Patienten an ihrem „mutmaßlichen“ Willen.

Palliativmedizin
Wer Leid minimieren will ohne Menschen zu töten, muss die Palliativmedizin ausbauen
In nahezu allen Fällen können die befürchteten Schmerzen, Atemnot und Angstzustände erheblich reduziert werden. Für die „Behandlungsoption Tötung“ gibt es keine medizinische Indikation.

Schluss

Wer die Liberalisierung
der Beihilfe zum Suizid vorantreibt
und dies mit Nächstenliebe begründet,
bejaht die Normalisierung des Tötens!

Der Bundesverband Lebensrecht  setzt sich ein für ein Europa ohne Euthanasie.

Posted in Keine Lizenz zum Töten.